Per Postkärtchen zur Antifa

Zur Geschichte der „Antifa Dortmund-Nord“

LOTTA sprach mit vier Mitgliedern der ehemaligen „Antifa Dortmund-Nord“ (1987–2004) über ihre Perspektive auf antifaschistische Organisierung und Mobilisierung im Dortmund der späten 1980er und 1990er Jahre.

Könnt ihr zu Beginn einmal erzählen, wann und warum ihr euch als Gruppe gegründet habt?

M: Wir haben uns 1987 als Nachfolgeprojekt der Initiative gegen die Volkszählung gegründet. Größtenteils haben wir in der Dortmunder Nordstadt gewohnt und die Idee war, etwas gegen die Zustände hier in der Nordstadt zu tun, weil man hier öfter auf Faschos gestoßen ist.

J: Siegfried Borchardt war damals sehr umtriebig und nach zwei, drei Abenden war eigentlich klar, dass wir schwerpunktmäßig was gegen Neonazis machen wollen.

A: Es ging auch um die eigene Sicherheit. Um den Nordmarkt herum trafen sich Mitglieder der Borussenfront zum Saufen und da wohnten einige von uns. Ein bisschen idealisiert haben wir das auch, dass der Nordmarkt einfach eine andere politische Geschichte im Kontext der nationalsozialistischen Machtergreifung hatte [Anm. der Red.: Bei der „Schlacht am Nordmarkt“ stellten sich Kommunist*innen und Sozialdemokrat*innen 1932 einem SA-Propagandamarsch entgegen]. Und wir wollten denen die Straße nicht überlassen. Zu Beginn waren wir sieben oder acht Leute.

J: Die ersten zwei, drei Treffen waren noch öffentlich, aber dann ist es ein privater Rahmen geworden und wir waren eine relativ stabile Gruppe. Es ist Zufall, dass heute leider nur Männer konnten. Es gab auch Frauen in unsere Gruppe, wir waren kein reiner „Jungsclub“.

M: Die Frauen haben sich oft über den machoartigen Stil beschwert, solche Diskussionen gab es bei uns auch.

Was waren zentrale Themen und Schwerpunkte eurer Arbeit?

J: Erstmal ging es darum aufzuklären, wer die aktiven Neonazis überhaupt sind, wer da neben Borchardt sonst noch so dahinter steckt.

M: Das war von Anfang an Thema: die Nazistrukturen in Dortmund aufzudecken. Wo wohnen die? Was machen die schwerpunktmäßig? Wie sind die über Dortmund hinaus organisiert? Das hat relativ schnell dazu geführt, dass wir uns über die Dortmunder Grenzen hinaus orientiert haben. Wir haben uns mit anderen autonomen Antifagruppen NRW-weit zusammengetan. Anfang der 1990er Jahre haben wir viele Demos, Aktionen und Gegendemos gemeinsam mit anderen Gruppen aus NRW organisiert und uns monatlich getroffen.

Was waren eure politischen Praxen, woran habt ihr euch orientiert?

A: Es gab parallel eine autonome Antifagruppe aus dem Infoladenspektrum. Die haben sehr klandestin gearbeitet, waren wenig sichtbar. Uns war es ein Bedürfnis, mehr Öffentlichkeitsarb Anspruch, zu recherchieren, Zeitungsauswertungen zu machen, zu dokumentieren. Wir haben ganz eng mit der Geschichtswerkstatt zusammengearbeitet, außerdem mit der Gefangeneninitiative und dem Arbeitslosenzentrum, die uns auch Räume zur Verfügung gestellt haben.

M: Eigentlich war uns seit Gründung sehr schnell klar, dass wir mit dieser bürgerlichen Antifa, die SPD-orientiert ist und so, aus der später auch der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus hervorgegangen ist, eigentlich nichts gemeinsam haben. Es gab begrenzte Zusammenarbeit, wenn es um Demos ging, aber das war uns alles zu parteinah und staatstragend. Das wollten wir nicht sein. Was wir auch gemacht haben, waren Broschüren mit Namen und kurzen Lebensläufen oder Hinweisen auf Arbeitsplätze. Wir wollten die Nazis aus der Anonymität holen.

Wo waren eure Treffpunkte?

A: Es gab das Taranta Babu im Klinikviertel, dann mehrere Szenekneipen an der Nordstraße, am Nordmarkt und auf der Münsterstraße.

J: Aber den einen Treffpunkt gab es eigentlich nicht.

M: Wir haben nicht so öffentliche Antifatreffs gemacht. Die Zeiten waren auch nicht so, dass man Lust hatte, alle möglichen Leute auf Antifatreffen sitzen zu haben. Vielleicht waren wir auch einfach ein bisschen paranoid. Wir hatten ständig die Befürchtung von Unterwanderung. Wir haben nur zwei-, dreimal offenere Treffen nach Demos gemacht.

J: Naja, ein kleiner Teil an Leuten ist dabei schon hängengeblieben und Bestandteil der Gruppe geworden. Paranoid würde ich nicht sagen, aber klar, man hat halt geguckt und war vorsichtig.

Was war die Nordstadt für ein Stadtteil für euch? Konntet ihr dort offen auftreten als Antifas?

A: Es gab Auseinandersetzungen, aber wir waren nicht so auffällig, wir waren keine Punks mit bunten Haaren oder so. Wir konnten uns weitestgehend anonym durch die Nordstadt bewegen.

Jü: In den 1990ern gab es ein Antifacafé mit Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen, was auch zum Ziel hatte neue Leute zu gewinnen. In den lokalen linken Zeitschriften stand immer drin, wenn eine Veranstaltung der Antifa Dortmund Nord war, also darüber war die Gruppe schon zu erkennen. Ich hab das in einer dieser lokalen Zeitschriften, dem Buntspecht, verfolgt und die Broschüren gelesen. Ich hab dann ein Postkärtchen an die geschätzte „Antifa Nord“ geschrieben und mein Interesse bekundet. So bin ich 1994 zur Gruppe gekommen. Vorher war ich schon in einer anderen Gruppe und in der Deutsch-Ausländischen Freundschaftsinitiative aktiv.

Gab es Kontakte der „Antifa Dortmund-Nord“ zu migrantischen Gruppen?

J: Es gab Kontakt mit Dev-Sol [Anm. der Red.: Devrimci Sol, Deutsch: Revolutionäre Linke] und mit lose organisierten kurdischen Menschen sowie mit linken türkeistämmigen Menschen aus dem Umfeld des Taranta Babus. Es gab aber keinen regelmäßigen Austausch. Eher punktuell.

A: Zum Beispiel bei Soli-Aktionen zum Jahrestag von Solingen, da gab es eine Zusammenarbeit etwa mit Dev-Sol und DIDF.

Wart ihr in lokalen Bündnissen aktiv oder auch bundesweit vernetzt?

A: Wir waren 1993 auf dem Gründungstreffen vom Bundesweiten Antifa Treffen (B.A.T.), aber haben das nicht weiterverfolgt.

M: Über die NRW-Vernetzung sind wir aber in Bezug auf die 1992 gegründete Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) und das B.A.T. immer auf dem Laufenden geblieben. Mit autonomen Antifas aus NRW in Bochum, Düsseldorf, Köln, Bonn und Wuppertal haben wir uns regelmäßig ausgetauscht und Kontakt gepflegt. Das waren so unsere Bezugspunkte. Konkrete Zusammenarbeit mit anderen Antifas aus Dortmund gab es zu Demos.

A: Wir waren auch im lokalen Antifaforum aktiv, einem Zusammenschluss, der meines Wissens nach aus dem Friedensforum entstanden ist. Initiiert wurde das von DKP und VVN. Aus dem Umfeld wurde uns um die Ohren gehauen, dass sie die einzig wahren Antifaschisten seien. Da haben wir schon versucht, unsere Themen einzubringen und präsent zu sein, uns aber auch von denen abgegrenzt. Ansonsten gab es noch den Infoladen und die unterschiedlichen Archive, mit denen wir zusammengearbeitet haben.

J: Es gab schon eine gegenseitige Abgrenzung voneinander. Für die Sozialdemokraten und Kirchenvertreter waren wir die „fiesen Steineschmeißer“ und uns waren die halt auf den Demos immer zu passiv. 500 Meter weit weg von der Absperrung und so. Und wir wollten uns zumindest auf die Straße setzen.

M: Vorgaben von der Polizei waren für uns halt keine „heiligen Kühe“.

Wie waren die Strategien der Polizei und wann fingen die Großaufmärsche in Dortmund an?

Jü: Die Vielzahl an Großaufmärschen in Dortmund haben angefangen mit der Wehrmachtsausstellung in Dortmund, das war 2000. Die Strategien sind immer die gleichen gewesen. Ganz nah ran an die Nazis durfte man nie.

M: Es wurde immer schwieriger, bei Demos auf Sichtweite heranzukommen. In den 1990ern ging es manchmal noch. Die Strategie war irgendwann, einfach alles weiträumig abzusperren. Alle Bürgerlichen, von Kirche über Gewerkschaften bis zu Parteien, haben diese komplette Abriegelung der Stadt mitgetragen.

A: Die Polizei hat irgendwann angefangen, ganze Gruppierungen zu kesseln, ganz massiv Anfang der 2000er.

J: Man hatte stellenweise den Eindruck, dass die Nazis regelrecht hofiert wurden, zum Beispiel wurden Busse gechartert, um Nazis zu ihrem Kundgebungsort zu bringen.

Jü: Ich meine, das war aber erst 2007. Die großen sogenannten „Antikriegstag“-Aufmärsche, zu denen die Neonazis bundesweit mobilisierten, waren ja ab 2005. Da gab es die Antifa Dortmund Nord als Gruppe schon nicht mehr.

Wann hat sich für euch wahrnehmbar herauskristallisiert, dass sich in Dorstfeld ein Schwerpunkt der Neonazi-Aktivitäten entwickelt?

Jü: Das war ebenfalls in der Endphase unserer Gruppe. Faktisch haben wir uns 2004 aufgelöst und das waren auch die Anfänge dort in der Wittener Straße. Da gab es gerade keine organisierte autonome Antifagruppe in Dortmund, auch wenn wir in unterschiedlichen Zusammenhängen da drangeblieben sind und das zu Beginn noch weiter verfolgt haben.

Welche Medien habt ihr genutzt? Wie habt ihr Reichweite erzielt und wie ist eine Mobilisierung zu eurer Zeit gelaufen?

A: Wir haben ganz klassisch mit Flugblättern gearbeitet. Mit Plakaten, kleistern gehen. Mobilisiert wurde über Aushänge in Läden, über Bündnisse, über unsere Broschüren.

Jü: Über Kneipen wurden gezielt bestimmte Spektren angesprochen. Im Kreuzviertel gab es eine DKP-Kneipe, im Norden das Komma, das Bass. Die Möglichkeiten waren damals viel größer, so Leute zu erreichen. Alles wurde gedruckt und verteilt.

A: Im Norden gab es auch Anlaufpunkte, wo wir gezielt Flugblätter verteilt haben: im Langen August, im Grünen-Büro, im Dev-Sol-Laden.

M.: Wir sind einfach oft mit Eimer und Kleister durch die Nacht gezogen und haben zum Beispiel gegen die Republikaner plakatiert.

Jü: Wir haben auch mit Dia-Vorträgen versucht, Aufklärungsarbeit zu leisten, und Flugis gemacht, um die Leute von der NPD oder FAP in ihrer Nachbarschaft bekannt zu machen.

Hattet ihr inhaltlich einen lokalen Fokus oder habt ihr auch über die allgemeinen Themen der Zeit gesprochen?

J: Wir sind nach Solingen gefahren, wir sind auch nach Rostock gefahren, aber wir haben daraus in dem Sinne keine Konsequenzen für unsere politische Praxis gezogen. Wir haben gedacht, das sei irgendwie schon durch andere abgedeckt.

M: Wir hatten auch genug damit zu tun, uns mit der rechten Szene vor Ort zu beschäftigen.

Jü: Wir haben keine großen strategischen Diskussionen geführt. Vieles an allgemeinen politischen Themen wurde eher in der Kneipe oder beim Fußball besprochen.

J: Ich weiß noch, dass es Diskussionen gab, ob wir alle in die Muckibude gehen sollten, damit wir ein bestimmtes Fitnesslevel haben. Das verlief zum Glück aber schnell im Sande.

Mitte der 1990er gab es zahlreiche Verbote von Naziorganisationen wie der „Nationalistischen Front“ (NF), „Wikingjugend“, FAP. Inwieweit haben sich Verbote von Neonazigruppierungen ausgewirkt und wie habt ihr die (Neu-)Organisierung der Neonazis zu der Zeit wahrgenommen?

A: Ich glaube, uns war relativ schnell klar, dass diese Verbote wenig bewirken werden. Wir haben in erster Linie unsere Aufgabe darin gesehen, aufzuzeigen, dass die nicht weg sind und weiter Leute bedrohen. Jü: Eine Zeit lang hatten wir den Eindruck, es würde wenig passieren in der Dortmunder Neonaziszene. Wir waren dann meiner Erinnerung nach ganz schön überrascht, was sich im Schützeneck, der Kneipe, die als Neonazi-Treffpunkt diente, für ein Ausmaß an Leuten offenbart hat, die sich da trafen. Das war so 2000.

2000 hat es ja die Morde des Neonazis Michael Berger gegeben. Gab es neben dem „Schützeneck“ noch weitere Nazitreffpunkte und war euch damals bekannt, dass innerhalb der Neonaziszene Terrorkonzepte diskutiert wurden? War das in eurer Analyse ein Thema?

M: Nee.

Jü: Eine Zeit lang hatten wir nicht so richtig auf dem Schirm, wo „unsere“ Nazis abgeblieben waren.

A: Neben dem Schützeneck gab es noch das Schillereck, da haben sich alte Borussenfrontler getroffen.

Jü: Das waren beides Treffpunkte, wo eher gesoffen wurde.

M: Der Naziterror hat uns in der Form total überrascht. Die Anfänge der NSU-Morde fielen ja noch in die Zeit, in der wir als Gruppe noch existierten. Dass wir das nicht auf dem Schirm hatten, ist vielleicht unserer größtes Versagen. Die müssen ja Verbindungen nach Dortmund gehabt haben. Welche der damaligen Dortmunder Neonazis genau Teil der Terrorszene waren, können wir nicht sagen.

Jü: Im Nachhinein können wir uns natürlich ein paar Leute vorstellen. Die Oidoxie Streetfighting Crew zum Beispiel, die haben wir damals als extrem gewaltbereit eingeordnet.

Habt ihr die Selbstorganisierung der betroffenen Familien, die Demo „Kein 10. Opfer“, wahrgenommen?

Jü: Nein, wir haben den NSU auch erst mit der Selbstenttarnung wahrgenommen.

Was würdet ihr rückblickend anders machen, was seht ihr als Fehler?

M: Bei uns hat die Theoriearbeit gefehlt, die Auseinandersetzung mit Fragen wie: Wohin kann sich Antifa entwickeln? Welche Rolle kann eine autonome Antifa spielen? Das sollte zum Agieren jeder Gruppe gehören. A: Ich denke, dieser verengte Blick auf reine Antifa-Arbeit, auf Recherche und Dokumentation, hat andere wichtige Themen zu oft ins Private geschoben. Klar haben wir uns auch mal mit Themen wie Asylpolitik oder Anti-AKW-Protest auseinandergesetzt. Das waren aber keine Themen, zu denen wir gemeinsam gearbeitet haben. Es gab immer eher einen Minimalkonsens.

Jü: Wir haben es ja später gemerkt: Es gab Leute, die lasen Unsere Zeit (UZ) und es gab Leute, die lasen Bahamas. Innerhalb unserer Gruppe gab es diametrale inhaltliche Unterschiede, in grundsätzlichen Fragen. Es hat so geknallt, dass wir es gelassen haben, uns weiter damit auseinanderzusetzen.

M: Das war sicher auch ein Grund, der zur Auflösung unserer Gruppe geführt hat.

Wie habt ihr die Auflösung vor zwanzig Jahren empfunden?

J: Ich habe es empfunden als ein Gefühl von: „Wir haben jetzt genug!“

M: Bei mir war es schon das Gefühl, politisch nicht mehr klarzukommen. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Antifaszene haben uns wieder kalt erwischt.

Jü: Das war doch auch der Zeitpunkt, wo das Exil auseinanderflog. Spätestens mit dem Angriff auf das World Trade Center 2001 hat es richtig geknallt. Das Exil war ein Zentrum, das von kurdischen Leuten betrieben wurde und von unterschiedlichen linken Spektren genutzt wurde. Antifas, aber auch Leute aus dem autonomen Spektrum kritisierten 9/11 als islamistischen Anschlag, ein anderer Teil der Nutzer, sah das aus „antimperialisitischer“ Perspektive. Es eskalierte dann auch bei Demos, als die Fahnen der „Siegermächte“ getragen wurden, bzw. israelische Fahnen. Das hat sich ja bis Mitte der Nuller Jahre mit den beiden Antifa-Bündnissen [Anm. der Red.: S4-Bündnis und Dortmund stellt sich quer] durchgezogen.

Seid ihr heute weiterhin politisch aktiv?

­­­M: Zu Demos gehen wir alle noch. Aktiv engagiert bin ich nicht mehr, ich fühle mich zu alt. Ich komme mir irgendwie deplatziert vor.

Jü: Ich habe aktuell schon ein Befremden auf den Antifa-Demos, weil ich keine Leute mehr kenne. Bei uns fehlte ja schon eine Generation, zwischen Antifa Dortmund Nord und Antifa Union (2005-2018), dadurch sind Brüche aufgetreten. Es gibt eine unglaubliche Aktionsorientierung und auch von der Struktur sind die aktiven Gruppen wenig drauf angelegt, eine Arbeitsweise zu entwickeln, die es Leuten im höheren Alter oder mit wachsendem Risikobewusstsein ermöglicht, dauerhaft in den Strukturen zu verbleiben. Wobei ein vielfältiges Aufgabenspektrum da wäre, aber ich kann mir keine (Antifa-) Gruppe vorstellen, in der ich mich einbringen könnte.

A: Ich bin immer noch politisch engagiert. Manches kann ich auch heute besser machen, weil ich nicht so auf dem Schirm bin.

Habt ihr euch vor 20 Jahren vorstellen können, dass wir heute mit der AfD eine faschistische Partei in den Parlamenten haben, die so hohe Zustimmungswerte hat?

M: Wir haben uns schon Gedanken dazu gemacht, dass eine extrem rechte Partei, die Wahlerfolge erzielt, gefährlich werden könnte, haben das aber damals noch nicht kommen sehen. Es ist sicher spannend zu analysieren, wie die AfD trotz ihrer internen Führungskämpfe so stark werden konnte.

Jü: Das ist doch für den Aufstieg einer faschistischen Partei nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist, dass der Aufstieg der AfD vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Krisen stattfindet. Der sprichwörtliche Stammtisch mit seinen rassistischen Antworten auf diese Krisen bleibt nicht mehr in der Kneipe, er ist überall laut wahrnehmbar. Das bildet eine Grundlage für die Konstituierung von faschistischen Massenströmungen.

Vielen Dank für das Interview!

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